SEO-Krise: Google AI hält Benelux-Verlage vom Traffic fern

SEO-Krise: Google AI hält Benelux-Verlage vom Traffic fern

Google gerät zunehmend unter Druck von Verlagen, die befürchten, dass KI-Funktionen in der Google-Suche Besucher und Werbeeinnahmen abziehen.

Große Medienunternehmen wie USA Today, Politico, The Economist, Reuters und People erwägen Berichten zufolge Maßnahmen, um Googles Zugriff auf ihre Inhalte einzuschränken.

Das Kernproblem ist einfach: Google kann Informationen aus Artikeln nutzen, um KI-Antworten direkt in den Suchergebnissen zu generieren. Dadurch erhalten Nutzer möglicherweise die benötigten Informationen, ohne zur ursprünglichen Website des Verlags weiterzuklicken.

Für Medienunternehmen, die auf Suchtraffic angewiesen sind, bedeutet dies eine grundlegende Veränderung des traditionellen Modells: Google lieferte Besucher, während KI zunehmend die Antwort selbst liefert.

Verlage wehren sich

Laut aktuellen Berichten erwägen mehrere große Verlage, den Zugriff von Google auf ihre Inhalte einzuschränken. Dabei geht es nicht nur um KI-Training, sondern auch um die Nutzung von Verlagsinhalten für AI Overviews und andere generative Suchfunktionen.

Im Mittelpunkt der Debatte steht eine grundlegende Frage: Was erhält ein Verlag zurück, wenn seine Inhalte Google dabei helfen, eine Antwort zu generieren, der Nutzer aber die Website des Verlags gar nicht mehr besucht?

Die News/Media Alliance kritisiert Google in dieser Frage bereits seit Längerem. Die Organisation argumentiert, dass KI-gestützte Suchfunktionen Verlage Traffic und Einnahmen kosten können, weil Antworten direkt innerhalb von Google bereitgestellt werden.

"Links waren die letzte verbleibende Qualität der Suche, die Verlagen Traffic und Einnahmen brachte."

Danielle Coffey, President & CEO, News/Media Alliance

USA Today verzeichnet Rückgang des Suchtraffics

USA Today steht im Mittelpunkt der Debatte. Laut aktuellen Berichten ist der Traffic von Google zur US-Website deutlich zurückgegangen. Ein aktueller Bericht nennt einen Rückgang von etwa 18 % im Jahresvergleich.

Dabei geht es um mehr als nur Seitenaufrufe. Weniger Besucher bedeuten auch weniger Werbeeinblendungen, weniger direkte Beziehungen zu Lesern und weniger Möglichkeiten, Abonnements und andere Einnahmen zu generieren.

Für Verlage wird Google damit zunehmend zu einem ambivalenten Partner: Die Suchmaschine kann Traffic liefern, aber dieselbe Suchmaschine kann diesen Traffic anschließend durch eine KI-generierte Antwort ersetzen.

Reddit zeigt, dass Inhalte Verhandlungsmacht haben

Ein interessantes Beispiel ist Reddit. Google schloss 2024 eine Vereinbarung mit Reddit im Wert von etwa $60 Millionen pro Jahr über den Zugriff auf Reddit-Inhalte, unter anderem für KI-Training.

Reddit hat zudem Maßnahmen ergriffen, um Crawler und Suchmaschinen zu blockieren, die keinen Zugriff auf aktuelle Inhalte bezahlen. Daraus entsteht ein neues Modell: Inhalte sind nicht automatisch kostenloses Rohmaterial für KI-Systeme.

Dies könnte für Verlage zu einem wichtigen Präzedenzfall werden. Statt lediglich um Google-Rankings zu konkurrieren, können Verlage zunehmend selbst bestimmen, wer ihre Inhalte nutzen darf, zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen.

📊 Wichtige Kennzahlen

KennzahlWertQuelle / Kontext
USA Today Traffic↓18 % im JahresvergleichWall Street Journal, 2026
Reddit – Google-Deal$60 Mio./JahrGoogle-Content-Deal für KI-Training
AI Overviews – Auswirkungen auf Wikipedia≈15 % weniger TrafficForschung zu Google AI Overviews, 2026
Google AI ModeAntworten direkt in der SucheNews/Media Alliance, 2025
Google AI Opt-outIn EntwicklungNews/Media Alliance, 2026

* Die Werte unterscheiden sich je nach Website, Suchintention und Inhaltstyp. Die genannten Prozentsätze sind keine allgemeine Prognose für alle Verlage.

🇧🇪🇳🇱 Was bedeutet das für niederländische und belgische Verlage?

Die Beispiele aus den USA sind für die Benelux-Länder relevant. Es wäre jedoch zu früh zu behaupten, dass niederländische und belgische Verlage dieselben Traffic-Rückgänge erleben. Dafür gibt es derzeit nicht genügend unabhängige und umfassende Daten aus den Benelux-Ländern.

Das Risiko ist dennoch deutlich. Wenn Google zunehmend Antworten direkt in der Suche liefert, könnte sich der klassische SEO-Funnel folgendermaßen verändern:

1. Suche

Der Nutzer sucht Informationen über Google.

2. KI-Antwort

Google generiert eine Antwort auf Grundlage mehrerer Quellen.

3. Weniger Klicks

Der Nutzer muss die ursprüngliche Website möglicherweise nicht mehr besuchen.

Dies könnte insbesondere für kleinere niederländische und belgische Verlage problematisch sein. Sie haben häufig weniger direkte Besucher, geringere Einnahmen aus Abonnements und weniger Verhandlungsmacht gegenüber großen Technologieunternehmen.

💡 Meinung: SEO allein reicht nicht mehr aus

Von Max Kapshtyk, Redaktionsteam von tech-nieuws.nl

Bei der Diskussion über Google und KI geht es letztlich um mehr als SEO. Es geht darum, wer die Beziehung zum Leser besitzt.

Jahrelang war es sinnvoll, stark von Google abhängig zu sein: gute Inhalte erstellen, in den Suchergebnissen weit oben erscheinen und Besucher erhalten. Generative KI verändert dieses Modell.

Drei Entwicklungen, die Verlage ernst nehmen sollten:

  1. KI kann den Klick ersetzen. Wenn Nutzer ihre Antwort direkt erhalten, reicht ein gutes Google-Ranking nicht mehr automatisch aus.
  2. Inhalte erhalten einen neuen wirtschaftlichen Wert. Verlage werden zunehmend prüfen, wer ihre Inhalte crawlt, wie sie für Training verwendet werden und ob sie in kommerzielle KI-Produkte integriert werden.
  3. Direkter Traffic wird wichtiger. Newsletter, Apps, Mitgliedschaften, Communities, soziale Medien und direkte Besucher können die Abhängigkeit von Suchmaschinen reduzieren.

Was können Benelux-Verlage jetzt tun?

  • KI-Auswirkungen separat messen – Google Search, KI-Referrals, direkten Traffic und Markensuchen getrennt überwachen.
  • Crawler-Zugriff kontrollieren – Festlegen, welche Bots auf Inhalte zugreifen dürfen und wie dieser Zugriff genutzt wird.
  • In einzigartige journalistische Inhalte investieren – Originalinterviews, lokale Expertise, Daten und Analysen sind schwieriger durch generische KI-Zusammenfassungen zu ersetzen.
  • Direkte Beziehungen zu Lesern aufbauen – Newsletter, Mitgliedschaften und Communities reduzieren die Abhängigkeit von Google.
  • Zusammenarbeiten – Kleinere Verlage haben gemeinsam mehr Verhandlungsmacht gegenüber großen KI- und Suchplattformen.

Die wichtigste SEO-Frage der kommenden Jahre lautet möglicherweise nicht „Wie komme ich bei Google weiter nach oben?“, sondern „Warum sollte überhaupt noch jemand auf meinen Link klicken?“