Bei „Made by Google ’26“ geht es um mehr als nur Smartphones: Warum die RAM-Krise und ein einfacher Tracker die eigentliche Geschichte sind

Made by Google folgt jedes Jahr einem vorhersehbaren Muster: eine neue Pixel-Generation, eine ein paar Prozent schnellere Kamera, und eine lange Liste an Gemini-Funktionen, die im Jahr darauf größtenteils wieder vergessen sind. Dieses Jahr hielt sich Google an dieselbe Struktur, doch wer nur auf die Kameraleiste und die Farbnamen schaut, verpasst die beiden interessantesten Geschichten der Veranstaltung: eine Preiserhöhung, die eigentlich mit Speicherchips zu tun hat, und ein kleiner weißer Tracker, mit dem Google endlich eine Lücke im eigenen Ökosystem schließt, die seit 2021 klafft.
Das Pixel 11: auf dem Papier unmöglich günstiger, in der Praxis teurer
Das reguläre Pixel 11 bekommt eine neu gestaltete Kameraleiste, die laut Google mehr als 40 Prozent dünner ist als die des Pixel 10, mit einer Glasoberfläche, die sich jetzt über die gesamte Breite des Geräts erstreckt. Das ist die Art von Änderung, die vor allem im Marketingmaterial gut aussieht, doch darunter steckt eine praktischere Veränderung: Der Basisspeicher verdoppelt sich auf 256 GB.
Diese Verdopplung erklärt teilweise, warum der Einstiegspreis um 100 Dollar auf 899 Dollar steigt. Weniger offensichtlich ist der zweite Grund, den Google selbst anführt: die anhaltende Knappheit bei RAM-Speicher. Dass Google einen Hardwarepreis teilweise mit einem Rohstoffproblem der Speicherbranche begründet, ist ein Zeichen dafür, dass die RAM-Krise, die in den letzten Monaten den PC- und Servermarkt durchgerüttelt hat, inzwischen auch Consumer-Smartphones erreicht. Die 128-GB-Option verschwindet zudem vollständig aus der Produktreihe, wodurch die Preiserhöhung für Käufer, die früher zur günstigsten Konfiguration griffen, umso stärker ins Gewicht fällt.
Das Pixel 11 ist in Frost, Hibiscus, Pistachio und Obsidian erhältlich.
Pro und Pro XL: Langlebigkeit als Verkaufsargument, nicht als Nebensache
Beim Pixel 11 Pro und Pro XL verschiebt sich der Schwerpunkt merklich in Richtung Langlebigkeit. Google verspricht eine verbesserte Sturzfestigkeit und eine neue kratzfeste Displaybeschichtung, die mehr als doppelt so kratzfest sein soll wie die der Pixel-10-Pro-Modelle. Das ist eine auffallend konkrete Zahl für einen Hersteller, der solche Aussagen sonst eher vage hält.
Auch hier steigen die Preise: Das Pixel 11 Pro startet bei 1.099 Dollar, gegenüber 999 Dollar beim Pixel 10 Pro im Vorjahr. Die Geräte gibt es in Canyon, Fog, Olive und Obsidian, wobei die diesjährige Obsidian-Variante erstmals ein durchgehend mattes Finish statt der gewohnten glänzenden Optik erhält.
Pro Fold: leichter, dünner, und laut Google dreimal robuster
Das Pixel 11 Pro Fold ist knapp 10 Prozent leichter und fast 1 mm dünner als das Pixel 10 Pro Fold, mit schmaleren Rändern, einer 48-Megapixel-Hauptkamera und 30-fachem Super Zoom. Wichtiger als die Kamera ist jedoch, was Google an der Konstruktion verändert hat: eine Rückabdeckung aus glasfaserverstärktem Verbundwerkstoff, die widerstandsfähiger gegen Risse sein soll, sowie ein neu gestaltetes Scharnier, das dem inneren Display zusätzlichen Schutz bietet. Zusammen sollen diese Änderungen das Gerät laut Google dreimal langlebiger machen als seinen Vorgänger, zusätzlich zur IP68-Wasser- und Staubresistenz, die bereits im letzten Jahr eingeführt wurde.
Das Pro Fold gibt es in Olive und Obsidian.
Pixel Tag: fünf Jahre zu spät, aber mit ein paar cleveren Kniffen
Das am längsten erwartete Produkt des Abends war nicht einmal ein Smartphone. Pixel Tag ist Googles eigene Antwort auf Apples AirTag, ein kleines Trackinggerät, das sich über Androids Find-Hub-Netzwerk orten lässt, funktional vergleichbar mit Apples Find My. Der Tag kostet einzeln 29 Dollar, oder 99 Dollar im Viererpack, eine Preisgestaltung, die nahezu exakt mit der von Apple mithält.
Was Pixel Tag auszeichnet, ist die Integration in den Rest von Googles Hardware-Ökosystem. Das Gerät lässt sich über eine Pixel Watch orten, und Pixel-Buds-Nutzer können Gemini bitten, einen Tag zu finden oder klingeln zu lassen, eine sprachgesteuerte Suchmöglichkeit, die Apple in dieser Form derzeit nicht anbietet. Es ist ein kleines Produkt, schließt aber eine Lücke, die in Googles eigenem Angebot seit der Einführung des AirTag durch Apple im Jahr 2021 bestand.
Pixel Watch 5: Gesundheitsdaten als fortlaufendes Erlebnis
Die Pixel Watch 5 setzt stark auf Gesundheitsfunktionen. Die Google-Health-App liefert nun monatliche Zusammenfassungen von Blutdrucktrends, mit dem Ziel, Nutzern zu helfen, Muster über einen längeren Zeitraum zu erkennen statt einzelner Messwerte. Denselben monatlichen Ansatz gibt es künftig auch für Trends bei der Insulinresistenz, eine Funktion, die über das hinausgeht, was die meisten konkurrierenden Smartwatches derzeit standardmäßig bieten.
Die 41-mm-Version startet bei 399 Dollar, die 45-mm-Version bei 429 Dollar. Zusätzlich bringt Google eine Stephen-Curry-Edition für 579 Dollar heraus, mit einem exklusiven, auf Workouts ausgelegten Design. Die Pixel Buds Pro erscheinen unterdessen in einer neuen Farbe namens Olive.
Gemini: weniger eine Funktion, mehr eine Steuerungsebene
Der Großteil der Präsentationszeit ging nicht an Hardware, sondern an Gemini-Funktionen, die sich durch das gesamte Pixel-Angebot ziehen. Live Transcribe erhält Unterstützung für amerikanische Gebärdensprache: Über die Pixel Camera lässt sich Gebärdensprache direkt in Text übersetzen, eine Barrierefreiheitsfunktion, die Menschen eine zusätzliche Möglichkeit zur Kommunikation gibt, ohne tippen zu müssen.
Google stellte außerdem Rambler vor, eine neue Spracheingabefunktion, die darauf ausgelegt ist, mit der Art zu funktionieren, wie Menschen tatsächlich sprechen: unvollständige Sätze, Füllwörter und unstrukturierte Sprache, statt der sorgfältig formulierten Befehle, die Sprachassistenten normalerweise erwarten. Circle to Search lässt sich nun ebenfalls direkt aus der Pixel Camera heraus nutzen, wodurch Nutzer Objekte identifizieren, entfernte Dinge nachschlagen, Text übersetzen oder Fragen zu ihrer Umgebung stellen können, ohne die Kamera-App zu verlassen.
Das größere Bild
Betrachtet man die einzelnen Ankündigungen zusammen, ergibt sich ein Muster, das über ein einfaches jährliches Upgrade hinausgeht. Google erhöht die Preise nicht einfach so, sondern verknüpft die Steigerung explizit mit einem Rohstoffproblem, das die gesamte Branche betrifft. Das Unternehmen schließt mit Pixel Tag eine seit Jahren bestehende Lücke im eigenen Hardware-Angebot, anstatt zu warten, bis der Marktdruck untragbar wird. Und Gemini verschiebt sich sichtbar von einem Chatbot, den man separat öffnen muss, hin zu einer Ebene, die unter allem liegt, von der Kamera bis zu den Gesundheitsdaten am Handgelenk.
Keine dieser drei Entwicklungen ist für sich genommen überraschend. Zusammen zeigen sie jedoch, dass es bei Made by Google 2026 weniger um ein neues Smartphone ging, sondern vielmehr darum, wie Google sein gesamtes Hardware-Ökosystem rund um Gemini, Gesundheitsdaten und, unvermeidlich, den darunterliegenden Rohstoffmarkt neu ausrichtet.