ASUS feiert 20 Jahre ROG mit dem Crosshair X870E Edition 20

ASUS feiert 20 Jahre ROG mit dem Crosshair X870E Edition 20

Vor vierzehn Jahren standen wir mit einer Kamera in der Hand auf einem ASUS-Seminar auf der CeBIT und blickten auf ein Mainboard, das damals noch keinen endgültigen Namen hatte. Daraus wurde schließlich das Maximus V Formula: ein Board, das gebaut wurde, um Grenzen auszuloten, mit einem eigens entwickelten Soundchip und zusätzlichen Stromanschlüssen für alle, die noch mehr herausholen wollten. In der Sprache der damaligen Zeit war das ein Flaggschiff.

Die Computex ist inzwischen der Ort, an dem sich diese Geschichte jedes Jahr aufs Neue abspielt, und 2026 war keine Ausnahme. Im Gegenteil: Dieses Jahr hatte es sogar etwas mehr Gewicht, denn Republic of Gamers wird zwanzig Jahre alt. Und ein Jubiläum feiert man bei ASUS offenbar nicht mit Torte, sondern mit zwei Mainboards, die genau zeigen, woher die Marke kommt und wohin sie will.

Ein Jubiläumsboard, dessen Preis für ebenso viel Wirbel sorgte wie die Spezifikationen

Das ROG Crosshair X870E Edition 20 ist das deutlichste Beispiel dafür, wie ASUS diesen Meilenstein angeht. Das Board basiert auf dem Crosshair X870E Glacial, bis vor Kurzem das Topmodell der AM5-Reihe, bekommt aber eine völlig andere Optik: Schwarz mit Gold- und Rotakzenten statt des weißen Designs des Glacial. Unter der Haube ändert sich an der Ambition wenig. ASUS gibt 24(110A)+2(110A)+2 Spannungswandlerphasen mit ProCool-II-Anschlüssen, MicroFine-Drosseln und eine durchgehende Kupfer-Kühllösung über die gesamte Boardbreite an, ergänzt durch einen 3D-VC-M.2-Kühlkörper und eine 3 mm dicke Backplate-Kühlung.

Richtig interessant wird es beim Bundle drumherum. Das Edition 20 wird nämlich nicht einzeln verkauft: ASUS liefert das Board exklusiv zusammen mit dem ROG Ryujin 360 Edition 20, einer AIO-Kühlung mit einer Asetek-EMMA-Gen10-V3Rx-Pumpe und einem 40 mm dicken, 20-FPI-Radiator ohne Lamellen. Auf der Pumpe sitzt ein doppelt schwenkbares 6,67-Zoll-AMOLED-Display, das über ASUS Infohub synchron mit dem restlichen System läuft. Beim Arbeitsspeicher unterstützt das Board Geschwindigkeiten bis 9600 MT/s und bis zu 256 GB DDR5, mit NitroPath-DRAM-Technologie, AEMP III und DIMM Fit als Werkzeuge, um dorthin auch tatsächlich zu kommen.

All das hat seinen Preis, und dieser Preis wurde für den europäischen Markt fast zu einer eigenen Geschichte. ASUS kündigte das Bundle für 2.999 Euro an, doch die ersten Listings bei den französischen Händlern LDLC und Materiel.net tauchten bei 3.299,95 Euro auf, gut 300 Euro über dem offiziellen Preis. Bei einem limitierten Jubiläumsprodukt mit knapper Stückzahl lässt sich diese Differenz vielleicht erklären, doch sie wirft schon die Frage auf, warum ein Hersteller überhaupt eine unverbindliche Preisempfehlung kommuniziert, wenn Händler noch vor dem Marktstart darüber hinausgehen. In den USA sieht die Lage nicht viel anders aus: Im eigenen ASUS eShop steht das Bundle für 3.299,99 US-Dollar, deutlich über dem, was Enthusiasten angesichts des Preises des Glacial selbst erwartet hatten.

Das Maximus Z890 Apex: weniger Show, mehr Labor

Wenn das Crosshair X870E Edition 20 die Jubiläumsfeier ist, dann ist das ROG Maximus Z890 Apex der Ort, an dem die eigentliche Arbeit passiert. Die Apex-Serie gibt es bereits seit 2017, mit genau einem Ziel: Speicher- und CPU-Übertaktungsrekorde zu ermöglichen, ohne den Zusatzschnickschnack, den andere Maximus-Modelle mitbringen. Auf Intels Z890-Plattform, für Core-Ultra-Prozessoren der zweiten Generation, bedeutet das ein Spannungswandlerdesign mit 22(110A)+1(90A)+2(90A)+2(80A) Phasen, zwei statt vier DDR5-Steckplätze für kürzere und sauberere Signalwege sowie offizielle Unterstützung bis 9600 MT/s. Laut ASUS sorgt eine verbesserte Signalführung dafür, dass Kits inzwischen durchgängig die Marke von 9 GT/s überschreiten, was bei früheren Apex-Generationen noch die Ausnahme war.

Das erwies sich auf dem Boden der Nangang Exhibition Hall als keine leere Marketingaussage. G.Skill nutzte das Maximus Z890 Apex als Testplattform für eine der meistdiskutierten Speicher-Demos der Messe: eine DDR5-10933-CL68-Konfiguration mit 48-GB-CUDIMM-Modulen, deutlich mehr, als die meisten Besucher auf einer Consumer-Plattform für möglich gehalten hätten. Dazu kam ein System mit 256 GB DDR5-8000, aufgebaut aus zwei 4R-CUDIMM-Modulen mit je 128 GB, und es wird deutlich, dass die Grenze zwischen „schnell" und „viel" bei DDR5 zunehmend verschwimmt.

Das eindrücklichste Beispiel kam jedoch nicht von G.Skill selbst, sondern vom Modder ShaggySVK, der am G.Skill-Stand ein System in Form einer kleinen Rakete baute, komplett mit Raucheffekten, roter Beleuchtung und einem Startknopf. Hinter dieser Inszenierung steckte ein voll funktionsfähiger Extrem-Übertaktungsaufbau: ein Maximus Z890 Apex, ein Intel Core Ultra 9 285K, G.Skill-Trident-Z5-Speicher und ein LN2-Kühlungsprototyp von ElmorLabs. Das Display neben dem Aufbau zeigte in diesem Moment DDR5-11867, wobei das Monitoring-Modul von ElmorLabs und der Stickstoffbehälter bestätigten, dass es sich nicht um Dekoration, sondern um eine funktionierende Demonstration handelte.

Zwei Boards, eine Geschichte

Was das Edition 20 und das Apex miteinander verbindet, ist, dass beide auf denselben Grundgedanken zurückgreifen wie das Maximus V Formula, das wir 2012 auf der CeBIT gesehen haben: ein Board, das vor allem existiert, um zu zeigen, was möglich ist, während der Rest der Produktpalette darunter die praktischere Option bleibt. Der Unterschied liegt im Maßstab. Wo das Formula damals mit zwei zusätzlichen Stromanschlüssen und einem eigens entwickelten Soundchip beeindruckte, sprechen wir heute von Spannungswandlerdesigns mit 24 Phasen, Arbeitsspeicher weit jenseits von 10.000 MT/s und einem Bundle-Preis, der sich dem Niveau eines kompletten Mittelklasse-Systems annähert.

ROG hatte zwanzig Jahre Zeit, sich vom „Board mit den meisten Extras" zu einer Marke zu entwickeln, die ihren eigenen Rekord-Circuit veranstaltet, mit OC World Cup und OC World Record Stage als festem Bestandteil jeder großen Messe. Das Crosshair X870E Edition 20 ist dabei das emotionale Stück, gebaut zum Sammeln und Zeigen. Das Maximus Z890 Apex ist das funktionale Stück, gebaut zum Rekordebrechen. Zusammen erzählen beide eine vollständigere Geschichte darüber, wo ROG 2026 steht, als es eines der beiden allein könnte.

Für alle, die damals das Maximus V Formula verfolgt haben: Der Ehrgeiz ist derselbe geblieben. Nur die Zahlen sind inzwischen ganz andere geworden.